Rohaja von Gareth – Die Göre auf dem Kaiserthron?

Rohaja von Gareth – ihre Entwicklung ist ein Paradebeispiel für Konzeptionslosigkeit und Anbiedern an eine Fanbasis, die im hauseigenen Forum aus vielleicht einem Dutzend gleichgesinnter Personen besteht (warum wird zum Beispiel nicht eine Umfrage zu Metaplotthemen, wie der Entwicklung des Mittelreiches, gestartet, sondern ausschließlich im Forum von offizieller Seite diskutiert). Nun wurde es also beschlossen: die schreckliche Schmonzette, die klischee-geladene Geschichte einer Sissi für Arme geht in die nächste Runde. Vielleicht sind das harsche Worte, aber ich gebe zu bedenken, dass ich die aktuellen Entwicklungen des Metaplots ziemlich enttäuschend finde und auch ich den Anspruch habe, das Beste für DSA zu wollen, deswegen hege ich die Hoffnung, dass möglicherweise eine Korrektur erwogen wird.

Völlig planlos wurde Rohaja in den Jahren seit Erscheinen von „Herz des Reiches“ (2006) bzw. „Rückkehr des Kaisers“ (2005) hochgeschrieben. In ihrer eigenen kleinen Welt scheint trotz aller Schicksalsschläge alles so perfekt zu sein, wie es das „hotzenplotzige“ Aventurien einst bot. Sie muss aus Teflon bestehen, denn alles tropft an ihr ab.

Es wurde die Chance vertan, endlich einen vielschichtigeren Charakter an der Spitze des Mittelreiches zu haben, der Erfolg und Misserfolg persönlich erlebt hat und mit dem man sich aufgrund dieser „Realitätsnähe“ besser identifizieren kann. Ein Charakter, der für Spannung sorgt, weil nicht vorhersehbar/gesetzt ist, dass alles glückt, was diese Person anpackt. Einen Charakter, der gelegentlich auch mit seinen inneren Dämonen ringen muss, um zu einer Entscheidung zu kommen, und der manchmal so gar nichts „Heldenhaftes“ besitzt.

Folgende Verhaltensweisen haben Rohaja charakterisiert:

  • Teilnahme an der Schlacht auf dem Mythraelsfeld, obwohl ihr dies ausdrücklich untersagt wurde. Sie gilt dann als verschollen, taucht aber später unter Amnesie leidend auf und scheint eigentlich auch gar keinen Bock zu haben, den Herrscherthron zu erklimmen.
  • Answin von Rabenmund, der 1028 BF Orks bzw. Soldateska der Schwarzen Lande vor Greifenfurt, Burg Rabenmund, Wehrheim und Santa Boronia besiegt und deshalb als Retter des am Boden liegenden Reiches betrachtet werden muss, wird völlig undiplomatisch vor den Kopf gestoßen.
  • Kein Versuch des Ausgleichs mit ihrem eigenen Bruder Selindian Hal, als dieser sich zum Gegenkaiser krönen ließ. Damals tauchten sogar Dokumente auf, die den Anspruch Selindian Hals unterstützen und die Änderungen in der Thronfolge, die Brin einst erlassen hatte, in Frage stellten.

Für mich ist Rohaja aufgrund oben skizzierter Ereignisse leider (!) eine verzogene Göre, die ich derart kennzeichnen würde:

  • undiplomatisch
  • vorschnell
  • unüberlegt
  • egozentrisch
  • unreif
  • dickköpfig
  • naiv
  • im schwarz-weiß Denken verhaftet
  • unreflektiert

Einen guten optischen Eindruck liefert auch ihr Bild in der RSH „Herz des Reiches“ (Seite 171). Später wollte man sie dann wieder „aufhübschen“, aber das ist bei mir im Gedächtnis haften geblieben.

Ausgeblendet bleiben folgende Themen, da sie nicht zu einer „Heldenkaiserin“ passen (wohl aber zu einer interessanteren vielschichtigeren Person, die sie einst werden sollte, bis andere offenbar entschieden, die Entwicklung umzukrempeln):

  • Ihr Bastard Albiron, den sie gegenüber der Öffentlichkeit verheimlicht, tritt nicht in Erscheinung und wird in offiziellen Publikationen größtenteils ignoriert.
  • Der Lolgramoth-Fluch, mit dem sie der sterbende Asmodeus von Andergast während der Belagerung von Rommilys belegte, wird nicht thematisiert, obwohl er eine Erklärung für den reisenden Kaiserhof und die Unstetigkeit der Kaiserin liefern würde.
  • Der Konflikt der beiden Kaiserzwillinge, Rohaja und Yppolita, wird nicht weiter entwickelt, obwohl die Verbannung Yppolitas in Festum bald enden wird. Es gab in verschiedenen Publikationen Hinweise darauf, dass die Zwillinge einst ihre Identität getauscht haben (was bedeuten würde, dass Rohaja in Wirklichkeit Yppolita wäre und umgekehrt). Was ist daraus geworden?
  • Ihre Unfruchtbarkeit, die von einem Knochensplitter des untoten, mit TGT paktierenden Rhazzazor während der Schlacht der drei Kaiser herrührt, und die Probleme, die sich aus einer Unfruchtbarkeit ergeben, werden nicht thematisiert.
  • Schicksalsschläge, die normale Menschen in tiefste Depression fallen lassen würden, steckt Rohaja gelassen weg. Sie besitzen keinen Einfluss auf ihr Gemüt, ihre Entscheidungen oder den Lebensweg. Ihre Mutter (Emer) und ihr Vater (Brin), ihr Bruder (Selindian), ihr „Großvater“ (Hal) sowie ihr erster Liebhaber (Eslam) kamen alle gewaltsam ums Leben. Verbannt wurden ihre Tante (Invher) und ihre eigene Zwillingsschwester (Yppolita). Ihre Großmutter (Alara), ihre Zwillingsschwester und ihr erster Liebhaber haben (überdies) gegen sie intrigiert.

So etwas kann doch unmöglich spurlos an Rohaja vorüber gehen, dennoch liest man in offiziellen Publikationen nichts von alledem. Stattdessen eilt die „Heldenkaiserin“ von Erfolg zu Erfolg: Das Gegenkaisertum ihres Bruders wurde durch den gewaltsamen Tod desselben beendet, Albernias Unabhängigkeitsbestrebungen wurden durch die Verbannung ihrer Tante Invher ad acta gelegt, die machtpolitische Eigenständigkeit der Nordmarken wurde durch den gewaltsamen Tod Jast Gorsams beendet, und Helme Haffax, der als einziger Gegner ihr noch gefährlich werden könnte, wird aller Wahrscheinlichkeit auch noch abgesägt.

Statt einer Hochzeit mit einem Bräutigam, der eine interessante machtpolitische Konstellation liefern könnte, heiratet sie Rondrigan Paligan – wie gottverdammt langweilig. Was hätte man hier alles erreichen können? Rondrigan ist die langweiligste Variante und für mich darüber hinaus absolut konturlos.

Diese absolut langweilige und unrealistische Entwicklung Rohajas muss endlich ein Ende nehmen. Vieles spricht dafür, dass die Autorschaft zumindest bis 2006 eine andere Entwicklung der Kaiserin im Sinn hatte. Ich brauche keine märchenhafte Welt, behaftet in klassischen Schwarz-Weiß Denken, mit einer Heldenkaiserin an der Spitze, um der realen Welt zu entflüchten oder irgendwas zu kompensieren. Ich möchte einfach spannende Plots.

Advertisements

5 Kommentare zu “Rohaja von Gareth – Die Göre auf dem Kaiserthron?

  1. Pingback: Aus dem Limbus: Rohaja-Rezensionen, Regelwerkstatt und neue Technik | Nandurion

  2. Ich persönlich würde mit auch wünschen, dass Rohaja eine tragische Figur bleibt. Sie kämpft mit Ehre und Idealismus für ihr Reich, wird aber vom Schicksal immer soweit gebeutelt, dass sie immer wieder auf Hilfe durch Helden angewiesen ist. Diese Abhängigkeit von Helden ist meine Interpretation der „Heldenkaiserin“.

    Die Argumentation ist für meinen Geschmack aber (mal wieder) etwas polemisch.

    Es ist nicht zwangsläufig „langweilig“, wenn Rohaja persönlichen Frieden findet. Es könnte auch der Auftakt zu eigenständigeren Provinzen werden, die nicht durch das Schicksal der Kaiserin dominiert werden. Vielleicht verschiebt sich auch der Schwerpunkt der laufenden Metaplots etwas weg vom Mittelreich, zu den nördlicheren oder südlicheren Regionen.
    Im Gegenteil kann es auch ermüdend werden, wenn sich der Metaplot im Mittelreich immer nur um Rohaja und ihre persönlichen Probleme dreht. Das ist Geschmackssache. Und eine Orientierung an Wunsch vieler Spieler (siehe Diskussion im Ulisses-Forum) empfinde ich nicht als „Anbiedern an eine Fanbasis“.

    Es ist auch nicht zwangsläufig „unrealistisch“, dass Rohaja nach all den Schicksalsschlägen nicht den Kopf in den Sand steckt. Vielleicht will sie dem ganzen Leid nachträglich einen Sinn geben, indem sie wenigstens das Reich rettet. „Damit die vielem Opfer nicht umsonst waren.“

    Die Charakterisierung von Rohaja ist auch fraglich:
    Die Teilnahme an der Schlacht auf dem Mythraelsfeld würde ich als ambitioniert und heldenhaft werten. Denn sie wollte ihre Verantwortung für das Reich übernehmen.
    Die Verweigerung eines Bündnisses mit dem Reichsverräter Answin von Rabenmund, der immerhin ihren Vater umbringen wollte, finde ich resolut und rechtschaffend. Denn es erfordert schon eines aufrechten Charakters nicht den einfachsten weg zu folgen, sondern dem richtigen.
    Das sie, als bestätigte Thronanärterin, sich nicht den machtgierigen Machenschaften der Strippenzieher ihres Bruders beugt, zeugt von Pflichtgefühl und Treue zum Reich. Denn Herrschaft erfordert auch unangenehme Entscheidungen.

    Man kann die Sache halt immer von zwei Seiten sehen. Und eine zweite, reflektierte Perspektive fehlt mir etwas.

  3. Ich gehe einfach mal davon aus das du den Band „Die reisende Kaiserin“ noch gar nicht gelesen hast.
    Man kann zu der Weiterentwicklung der verschiedenen Themen in diesem Band stehen wie man will. Aber fast alles was von dir hier angesprochen wird, wird in diesem Band zumindestens erwähnt wenn nicht sogar mehr.

    Ihr Bastard Albiron, den sie gegenüber der Öffentlichkeit verheimlicht, tritt nicht in Erscheinung und wird in offiziellen Publikationen größtenteils ignoriert.
    Der Lolgramoth-Fluch, mit dem sie der sterbende Asmodeus von Andergast während der Belagerung von Rommilys belegte, wird nicht thematisiert, obwohl er eine Erklärung für den reisenden Kaiserhof und die Unstetigkeit der Kaiserin liefern würde.
    Der Konflikt der beiden Kaiserzwillinge, Rohaja und Yppolita, wird nicht weiter entwickelt, obwohl die Verbannung Yppolitas in Festum bald enden wird. Es gab in verschiedenen Publikationen Hinweise darauf, dass die Zwillinge einst ihre Identität getauscht haben (was bedeuten würde, dass Rohaja in Wirklichkeit Yppolita wäre und umgekehrt). Was ist daraus geworden?
    Ihre Unfruchtbarkeit, die von einem Knochensplitter des untoten, mit TGT paktierenden Rhazzazor während der Schlacht der drei Kaiser herrührt, und die Probleme, die sich aus einer Unfruchtbarkeit ergeben, werden nicht thematisiert.
    Schicksalsschläge, die normale Menschen in tiefste Depression fallen lassen würden, steckt Rohaja gelassen weg. Sie besitzen keinen Einfluss auf ihr Gemüt, ihre Entscheidungen oder den Lebensweg. Ihre Mutter (Emer) und ihr Vater (Brin), ihr Bruder (Selindian), ihr “Großvater” (Hal) sowie ihr erster Liebhaber (Eslam) kamen alle gewaltsam ums Leben. Verbannt wurden ihre Tante (Invher) und ihre eigene Zwillingsschwester (Yppolita). Ihre Großmutter (Alara), ihre Zwillingsschwester und ihr erster Liebhaber haben (überdies) gegen sie intrigiert.

    Einzig das letzte „Tefloncharakterdingen“ kann daher mMn stehen bleiben. Ich finde auch das aus Rohaja wenn sie ein normaler Mensch wäre ein Wrack geworden sein müsste. Allerdings ist das meiner Meinung nach bei den aller meisten „Tischhelden“ und ihren Erlebnissen in den diversen offiziellen und selbst erdachten Abenteuern genauso. Von denen müsste mMn nach eigentlich auch der großteil als Alki irgendwo in einer Kaschemme versteckt in der Ecke sitzen als sich immer wieder in die nächste Todesgefahr zu stürzen. Da es bei DSA bei allem Hintergrund aber immer noch um ein Rollenspiel geht ist das eben nicht so.

    • Sehe ich ähnlich, selbst der „Teflonaspekt“ greift mMn nicht: gerade für eine Herrscherin gehört es sich, nach außen keine Gefühle (v.a. keine negativen wie Ängste, depressive Stimmung usw.) zu zeigen – „stiff upper lip“ beim englischen Hof.
      Aber auch im Normaloleben müssen tragische Lebensumstände nicht zwangsweise zur Depression führen, dass habe ich im engsten Familienkreis erlebt.
      Manche der Fäden (z.B. Albiron) werden bestimmt noch aufgenommen, er ist jetzt wohl noch zu jung, um daraus jetzt schon viel im Metaplot zu machen. Bei Yppolitta hoffe ich auch, dass, wenn sie ihre Ausbildung beendet hat, was „großes“ passiert.
      Gruß,
      Eisvogel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s